Kinderrechte sind in Deutschland kaum bekannt

Kinderrechte
Bild: http://kids.t-online.de/

 

Kinderrechte sind kein Gedöns, sondern sollten mehr politische Aufmerksamkeit bekommen, fordern Experten. Ein weiter Weg, denn bislang sind die international verbrieften Rechte für Kinder und Jugendliche in Deutschland kaum bekannt.

BERLIN: In Deutschland bestehen erhebliche Defizite bei der Bekanntheit von Kinderrechten: Nur vier Prozent der Kinder und Jugendlichen sowie drei Prozent der Erwachsenen kennen die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechte, wie eine am Donnerstag in Berlin veröffentlichte repräsentative Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks ergab. Nur 19 Prozent der Befragten wissen „ungefähr“ Bescheid.

Zu den international verbriefen Kinderrechten zählen etwa das Recht auf Gleichbehandlung, das Recht auf Bildung oder das Recht auf ein sicheres Zuhause. Insgesamt umfasst die UN-Kinderschutzkonvention zehn verschiedene Grundrechte sowie etwa 30 weitere Bestimmungen.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hatte für seinen neuen „Kinderreport 2015“ bundesweit 320 Kinder im Alter zwischen 10 und 17 Jahren sowie 700 Erwachsene befragt. Der Kinderreport erscheint seit 2002 alle zwei Jahre. Anlässlich des 25. Jahrestages der UN-Kinderrechtskonvention standen diesmal die Rechte von Kindern in Deutschland im Fokus.

Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, forderte eine Bildungsoffensive in Kindertagesstätten und Schulen, um Kinderrechte bekannter zu machen. Die Bildungsinstitutionen müssten deutlich mehr Informationsmöglichkeiten als bislang dazu anbieten. Zudem sollten Kinderrechte als eigenständige Rechte im Grundgesetz verankert werden, forderte Krüger, der auch Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung ist. Bislang gebe es eine „Disparität der repräsentativen Demokratie“, wenn auf der politischen Agenda Themen zur Absicherung des Alters wie etwa Gesundheit oder Rente eine größere Aufmerksamkeit bekämen als Themen, in denen es um das Entwicklungspotenzial von Kindern und Jugendlichen geht. „Kinderrechte sind kein Gedöns, sie gehören ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit“, so Krüger.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) sprach sich zudem erneut für die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre aus, um Kindern und Jugendlichen mehr Mitbestimmungsrechte zu ermöglichen. Eine Absenkung sei „absolut überfällig“. Junge Menschen seien mit 16 Jahren in der Lage, über politische Belange mit zu entscheiden, betonte Roth. Die Grünen-Politikerin kritisierte, dass die international festgeschriebenen Kinderrechte in Deutschland noch nicht in geltendes Recht überführt wurden.

Mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche werden unter anderem bei bundespolitischen Entscheidungen, in der den Kommunen, im Kindergarten, in der Nachbarschaft, in der Schule und im geringem Maße auch in der Familie gewünscht, ergab die Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks weiter.

Bei Maßnahmen gegen Kinderarmut in Deutschland plädieren junge Menschen für kostenloses Essen in Kitas und Schulen. Auch der Zugang zu Büchern, Lehrmitteln sowie zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollte kostenlos sein. Die befragten Kinder und Jugendlichen wünschen sich zudem mehr Sozialarbeiter, die sich um benachteiligte Kinder kümmern, sowie mehr Aufklärung über Kinderarmut und die Kinderrechte in den Medien. Arme und reiche Kinder sollten zudem mehr Zeit zusammen verbringen, gaben die Befragten an.

Mehr Kindergeld, mehr finanzielle Unterstützung, sowie höhere Einkommen wurden ebenfalls gewünscht. Den befragten Kindern war dieses Anliegen jedoch wichtiger als den befragten Erwachsenen. „Kinder leiden unter Kinderarmut mehr als Eltern“, begründete der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerk Krüger.

Quelle: http://www.nwzonline.de/

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