Deutschland schneidet bei Kinderarmut schlecht ab

UNICEF veröffentlicht Ergebnisse neuer Studie

Im Vergleich mit 28 anderen Staaten erreicht Deutschland bei der Versorgung von Kindern gerade mal Platz 15. Das ergab eine Studie des UN-Kinderhilfswerks UNICEF. Selbst manche wirtschaftlich schlechter gestellten Länder stünden besser da.

“Es ist enttäuschend, dass Deutschland es nicht schafft, die materiellen Lebensbedingungen für Kinder entscheidend zu verbessern”, kritisierte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider. Am Besten schneiden der Studie zufolge die skandinavischen Staaten ab, allen voran Island und Schweden.Grundlage für die Studie ist den Angaben zufolge eine repräsentative Erhebung der Europäischen Union, für die 125.000 Haushalte zu Kindern befragt wurden. Die Studie definiert 14 verschiedene Güter oder Angebote, die einem Kind in einem wohlhabenden Land zur Verfügung stehen sollten. Dazu gehören ein Platz, um Hausaufgaben machen zu können, ein Internetanschluss oder Freizeitangebote wie Fußballspielen in einem Verein. Wenn ein Kind mehr als zwei dieser Dinge nicht hat, wird dies als Hinweis auf eine “besondere Mangelsituation” gewertet. In Deutschland liegt dieser Anteil nach UNICEF-Angaben bei 8,8 Prozent – das sind fast 1,2 Millionen Mädchen und Jungen.

Kinder in Großbritannien und Slowenien besser gestellt

“Deutschland tut schon viel, um die Situation der Kinder zu verbessern, aber nicht genug”, sagte Unicef-Sprecherin Helga Kuhn. “Andere Länder tun noch mehr, zum Beispiel Schweden und Großbritannien.” Kindern in Deutschland fehlt es demnach am ehesten an Freizeitaktivitäten (6,7 Prozent). Eines von 20 Kindern erhält nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit (4,9 Prozent). 4,4 Prozent hätten keinen Platz, an dem sie ihre Hausaufgaben machen könnten. 3,7 Prozent besäßen höchstens ein Paar Schuhe. 3 Prozent lebten in einem Haushalt ohne Internetanschluss.

Ein Internetanschluss könne heutzutage nicht mehr als Luxus gelten, so Kuhn: “Ein Kind, das nicht lernt, mit dem Internet umzugehen, ist in einer Informationsgesellschaft gegenüber den anderen deutlich benachteiligt.” Besonders häufig entbehrten Kinder in Deutschland wichtige Dinge, wenn die Eltern arbeitslos seien oder einen niedrigen Bildungsabschluss hätten.

In Dänemark liegt der Anteil an Kindern mit einer besonderen Mangelsituation zum Beispiel bei nur 2,6 und in Schweden bei 1,3 Prozent. Diese beiden Länder seien jedoch nicht wesentlich reicher als Deutschland, sondern lägen beim Pro-Kopf-Einkommen und der wirtschaftlichen Entwicklung auf ähnlichem Niveau, so UNICEF. Besser als in Deutschland gehe es auch Kindern in Großbritannien und Slowenien, obwohl dort die Pro-Kopf-Einkommen im Schnitt niedriger lägen als in Deutschland. Am schlechtesten gehe es den Kindern in den ärmeren Staaten Europas wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn.

Bild & Text= tagesschau.de

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