Eden weint im Grab – Sandmann-Jingle

EwiGNeue Impulse setzen zu wollen, avantgardistisch und innovativ zu sein, scheint in der Musikkultur der Gegenwart nur noch für wenige Bands ein Antrieb zu sein. Zu unsicher ist der Markt und zu risikobehaftet eine Veröffentlichung fernab der Erwartungen von Plattenfirmen, Magazinen, Radiostationen und DJs. Dadurch werden wir heute von einem allzu oft mittelmäßigen Einheitsbrei überschwemmt, in dem ein Release dem anderen gleicht und die Plattenfirmeninfos im Gegenzug vor Superlativen nur so strotzen.

 

Alexander Paul Blake, kreativer Kopf des Berliner Projekts Eden Weint Im Grab (kurz: EwiG), gehört glücklicherweise nicht zu jenen Künstlern, die ihr neustes Album einfach unreflektiert in den Himmel loben, denn er ist sich bewusst, dass sein 3. Streich “Der Herbst des Einsamen“ polarisieren wird. Etwa eineinhalb Jahre sind seit der Veröffentlichung des erfolgreichen 2. Longplayers „Trauermarsch Nach Neotopia“ (das Projekt wurde damit u.a. Newcomer des Monats im Orkus und im Zillo-Magazin) vergangen und wer auf eine Fortsetzung des eigenwilligen Düster-Metals der beiden Vorgänger gehofft hatte, wird zunächst überrascht sein von den Klängen, die nun unter dem Namen Eden Weint Im Grab aus den Boxen dringen. Denn die 12 neuen Stücke enthalten keine Gitarren oder Gesänge und lassen sich auch nicht mehr als “Metal“ klassifizieren. Aber sie sind in typischer Eden Weint Im Grab-Manier düster – extrem düster sogar – morbide, poetisch und voller Tragik und Tiefe. Denn “Der Herbst des Einsamen“ enthält keine Songs im klassischen Sinne, sondern finstere Soundcollagen, die mit Filmmusikelementen, Horrormovie-Atmosphären und Ambient- Sounds zu einer abwechslungsreichen Mischung irgendwo zwischen Musik, Lyrik-Rezitation und Hörspiel verbunden wurden.

 

Grundlage des Albums bilden 12 Gedichte des österreichischen Expressionisten Georg Trakl, der von 1887 bis 1914 lebte und inmitten des 1. Weltkriegs aufgrund einer Überdosis Kokain an einem Herzstillstand starb. Trakls unvergessene Lyrik behandelt vor allem den Herbst, die Natur, ländliche Idyllen, den Tod, das Sterben, den Krieg, den Abend und die Nacht sowie die Suche nach Gott und der Transzendenz in einer trostlosen, verlassenen Welt. Diese einerseits sehr dunklen, andererseits überaus bildhaften Gedichte passen erschreckend gut zur gleichsam feierlichen und bedrückenden Musik von Eden Weint Im Grab. Vorgetragen werden sie von Alexander Paul Blake im Rezitativ mit meist abgrundtiefer Stimme, sodass die ein oder andere Gänsehaut und zahlreiche gruselige Momente vorprogrammiert sind. “Ich liebe die Lyrik Trakls seit Schulzeiten, habe mich während meines Literatur-Studium verstärkt damit beschäftigt und hatte dieses Projekt schon viele Jahre im Kopf“, erklärt Alexander Paul Blake den Hintergrund. “Aber erst eines Tages im Herbst letzten Jahres überkam es mich schlagartig und ich wusste, dass die Zeit reif war. Von diesem Moment an dauerte es nur wenige Wochen vom ersten Ton bis zur Fertigstellung der Stücke. Mir ist noch kein Album so schnell aus der Hand geflossen und ich kann ohne Übertreibung von einer gewissen Magie sprechen, die in diesen Stunden präsent war.“ Aufgenommen, gemischt und gemastert hat es Blake erneut im Alleingang in seinem Berliner Winter Solitude Studio. Das Ergebnis ist ein mutiges und idealistisches Album fern der gängigen Schubladen, das sicher nie die breite Masse ansprechen wird, dafür jedoch mit Fug und Recht von sich behaupten darf, eine kulturelle und künstlerische Relevanz zu haben. “Der Herbst des Einsamen“ fordert die Fantasie des Hörers heraus und ist definitiv keine leicht bekömmliche Kost zum Nebenbeihören. Wer sich jedoch auf diese Musik einlässt und ihr mit der nötigen Offenheit und Aufmerksamkeit begegnet, wird gewiss mit einer spannenden Reise durchs eigene Gedankenlabyrinth belohnt.

Quelle= http://www.edenweintimgrab.de

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